Sie befinden sich hier: Startseite > Rückblick > 1914–1934–1939–1944–1989...2014

1914–1934–1939–1944–1989...2014

15. September 2014

 

1. August 1914
Hier begann der Erste Weltkrieg. Innerhalb von wenigen Tagen war der größte Teil Europas in diesen zuletzt so barbarischen Krieg verstrickt. Nach der ersten Euphorie, mit der die Soldaten auf Befehl des Kaisers ins Feld zogen, kamen schon die traurigen Nachrichten über die Verluste. In dem vier Jahre dauernden Krieg kamen 17 Millionen Soldaten und Zivilpersonen ums Leben.
1934 – Barmer Theologische Erklärung
JahrestageSchon kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 kam es zu Konflikten von gläubigen Pfarrern mit den sogenannten „Deutschen Christen“, die die evangelische Kirche der Diktatur des „Führers“ unterordnen wollten. Ein bekannter Vertreter des Widerstandes war der Pfarrer Paul Schneider, der bis 1934 in Hochelheim und Dornholzhausen Dienst tat. Er weigerte sich, anlässlich der Einführung Hitlers im Reichstag die Glocken zu läuten. Dies brachte ihm eine besondere Aufmerksamkeit und Überwachung ein.
1934 wurde von den lutherischen, reformierten und unierten Kirchen eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, die als Grundlage der „Bekennenden Kirche“ gilt. Sie hat als zentrales Anliegen die Rückkehr zum Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift bezeugt wird. Gleichzeitig lehnt sie den Staat bzw. die Regierung nicht ab, sondern erinnert und ermahnt die Regierenden, ihre Verantwortung vor Gott und den Menschen wahrzunehmen.
Paul Schneider wurde ein unerschrockener Zeuge der Bekennenden Kirche. Nachdem er in den Hunsrück versetzt wurde, ergriff er weiterhin in seinen Predigten das Wort gegen die NS-Herrschaft. So wurde er mehrfach inhaftiert und landete schließlich im Konzentrationslager Buchenwald. Auch hier blieb er nicht stumm, sondern sprach bis zu seinen letzten Tagen seinen Mithäftlingen immer wieder Trost zu. Noch bevor der 2. Weltkrieg ausbrach, wurde er im Juli 1939 – vor 75 Jahren – hingerichtet.
Ein weiterer bekannter Zeuge der Bekennenden Kirche war Dietrich Bonhoeffer. Er leitete das Predigerseminar und schloss sich dem Widerstand gegen die Nazis schon 1938 an. Paul Schneider bezeichnete er als den ersten Märtyrer der Neuzeit. Bonhoeffer erhielt mehrfach Rede- und Schreibverbot. Er hatte engen Kontakt zu den Männern des 20. Juli und wurde auf ausdrücklichen Befehl Hitlers noch kurz vor Kriegsende im April 1945 hingerichtet. Sein bekanntestes Gedicht „Von guten Mächten…“ , in der Haft geschrieben, zeigt uns in dem 3. Vers noch einmal die ganze Dramatik:
„Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.“
1. September 1939
Vor 75 Jahren begann mit dem Einmarsch nach Polen der 2. Weltkrieg, der wiederum unermessliches Leid und Zerstörung über viele Völker brachte.
20. Juli 1944
Vor einigen Wochen haben wir uns an den 70. Jahrestag des fehlgeschlagenen Attentats auf Hitler erinnert. Viele Widerstandskämpfer waren Mitglieder der Bekennenden Kirche oder hatten Kontakt zu führenden Vertretern. Unter denen, die in den folgenden Monaten bis Kriegsende noch gefangen und hingerichtet wurden, befand sich auch Helmuth James Graf von Moltke, ein Katholik. Von ihm sind letzte Sätze überliefert: „Ich sterbe für eine gute und gerechte Sache… Der Same, den ich gesät habe, wird nicht umkommen, sondern wird eines Tages seine Frucht bringen… Vielleicht ist mein Tod nützlicher, als mein Leben hätte sein können. Wir müssen es dem Herrn überlassen“
Auch an den Warschauer Aufstand vor 70 Jahren wurde in diesen Tagen gedacht. Mir ist besonders die Aussage einer Überlebenden wichtig geworden, die von einem Fernsehreporter bei der Gedenkfeier gefragt wurde, ob sie die Deutschen hassen würde. Sie antwortete: „ Das Evangelium von Christus sagt uns, dass wir vergeben sollen und das habe ich in meinem Herzen getan. Außerdem haben die Deutschen doch um Verzeihung gebeten.“
9. November 1989
Vor 25 Jahren fiel die Mauer und die zwei deutschen Staaten kamen wieder zusammen. Ein Ereignis, das als unblutige Revolution in die Geschichte eingeht. Eine tragende Gruppe waren mutige Christen, die sich auf das Evangelium von Christus beriefen und in der entscheidenden Phase nach den Montagsgebeten immer wieder zur Gewaltfreiheit aufriefen.
Steinerne Zeugen
In Gestalt von unzählbaren Grabsteinen auf den Soldatenfriedhöfen, Mahnmalen für die Opfer der beiden Weltkrieg, die auch auf unseren Friedhöfen stehen, sollen Steine für immer Zeugen sein, wenn die lebenden Zeitzeugen verstummen. Steine und Mauern können aber auch als Kontrast an die Schrecken des Krieges erinnern und gleichzeitig Hoffnungszeichen sein. Ein bekanntes Beispiel ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, wo die Ruine nach dem 2. Weltkrieg stehenblieb und ein moderner Bau ergänzt wurde.
Auch an die Berliner Mauer erinnern noch einige Segmente, die als Gedenkstätte gestaltet wurden und an die vielen Opfer gedenken. Direkt auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Bernauer Straße stand bis 1985 die Versöhnungskirche, deren Eingang von Westen aber zugemauert wurde, sodass die Kirchengemeinde getrennt wurde. Sie wurde noch 1985 durch das DDR-Regime gesprengt. Nach der Wiedervereinigung wurde auf dem Grundriss eine Kapelle der Versöhnung errichtet, in die Bausubstanz wurden Materialien aus den gesprengten Überresten eingearbeitet. Der ursprüngliche Name soll weiterhin Programm sein.
Ein weiteres schönes Zeichen für Versöhnung und Hoffnung ist der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Bis 1989 lagen die Trümmer der zerbombten Frauenkirche noch auf dem ehemaligen Platz. Engagierte Bürger hatten aber die Vision, die Frauenkirche wieder nach den alten Bauplänen herzurichten. Dies ist in ganz eindrucksvoller Weise gelungen. Man kann von außen noch deutlich erkennen, wo die alten Steine sich wie ein Puzzle in die neuen Steine einfügen. 2004 war es endlich soweit. Das Turmkreuz konnte auf die Kuppel gehoben werden. Durch eine gemeinsame Spendenaktion von Engländern und Deutschen wurde dieses Zeichen der Versöhnung geschaffen. Der englische Goldschmied Alan Smith, der das Turmkreuz schuf, ist der Sohn eines Bomberpiloten, der an der Zerstörung Dresdens beteiligt war. Die englischen Freunde schreiben: „ Für uns bedeutet der Wiederaufbau der Frauenkirche die Heilung einer Wunde, den Ausdruck unseres tiefengemeinsamen Bedauerns über die Zerstörung der Stadt Dresden. Für die Zukunft der Frauenkirche wünschen wir uns, dass sie weiterhin als bedeutungsvolles Symbol der Verständigung , des Friedens und der Versöhnung erhalten bleibt, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, in ganz Europa und überall auf der Welt.“
 
von Dr. Luise Förster, Foto: Dr. Luise Förster
(C) Ev. Kirchengemeinde Dorlar und Atzbach 2017
Bild oben rechts: Andrea Kusajda / pixelio.de