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Gemeindeausflug nach Schmalkalden

13. September 2015

 

Im Reformationsgeschehen zu Beginn der Neuzeit spielten sich im Thüringischen Schmalkalden bedeutsame Ereignisse ab. Martin Luthers mehrfache Anwesenheit dort ist verbürgt, und die Stätten seines Aufenthaltes können heute besichtigt werden.

Die von Luther in Wort und Schrift geforderte geistliche Erneuerung der Kirche fiel in eine Zeit gesellschaftspolitischer Konflikte. Im damaligen „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation" waren die Interessen von Kurie und weltlicher Macht eng miteinander verflochten. Verlierer in diesem Spiel war der Stand der Bauern und Kleinbürger - ihnen wurden von Adel und Kirche schwere Lasten auferlegt. Hinzu kam die Praxis des Ablasshandels: den in Angst und Schrecken vor der ewigen Verdammnis lebenden Menschen wurde Befreiung von allen Sündenstrafen gegen Geldspenden versprochen.

Luthers Reformprogramm - die 95 Thesen - verbreitete sich schnell in Mitteleuropa. Belegt mit Kirchenbann und Reichsacht lebte Martin Luther von nun an risikoreich, da er den Widerruf seiner Schriften verweigerte. Kernstück seiner Rechtfertigungslehre war die Aussage: ..."Allein durch den Glauben, die Gnade und die Schrift.“ Im Folgenden formierten sich zwei Gruppierungen: die katholische Partei um den Kaiser und der Schmalkaldische Bund, dem protestantische Fürsten und freie Städte angehörten. Man traf sich regelmäßig zum Schmalkaldischen Fürstentag im Rathaussaal, und auch Luther wurde dazu eingeladen. Bei Mühlberg in Thüringen kam es 1546 zu einer Schlacht, in der die Kaiserlichen obsiegten. Der Schmalkaldische Bund löste sich danach auf. Die Reformbewegung indes war nicht mehr aufzuhalten. Luthers Bekenntnisschrift - die Schmalkaldener Artikel - fanden weite Verbreitung.

„Liebster Jesus, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören" mit diesem Bachsatz leitete der Evangelische Kirchenchor Atzbach-Dorlar den Gottesdienst in der Stadtkirche St. Georg ein. Unter Leitung von Hans Martin Schlöndorf begleitete der Chor die Feier musikalisch. Vor etwa 500 Jahren hatte Luther in der Stadtkirche gepredigt, und damit gehört sie zu den Begegnungsstätten mit dem Reformator. Der spätere Bildersturm religiöser Eiferer hatte auch vor St. Georg nicht Halt gemacht, doch entgingen einige Bildnisse der Zerstörung. Sie sind heute in der „Lutherstube" der Stadtkirche ausgestellt, ebenso blieben die Wandmalereien an der Empore und der Decke erhalten.

Ein Rundgang auf Schmalkaldener Kopfsteinpflaster vermittelte einen Eindruck vom Leben in der alten Stadt, die im Mittelalter sehr wohlhabend war. Ihr Reichtum beruhte auf dem metallverarbeitenden Gewerbe, und dieser Umstand erregte Begehrlichkeit. Zweimal wurde Schmalkalden im 12. Und 13. Jahrhundert zerstört und geplündert. Inmitten der Altstadt befindet sich eine ehemalige Augustinereremitage. Ihr Herzstück, der kleine Klostergarten, bietet eine Oase der Ruhe mit Blick auf die Türme der Stadtkirche.

Schloss Wilhelmsburg, einzige hessische Schlossanlage in Thüringen, wurde auf einer Anhöhe oberhalb der Altstadt im Renaissancestil erbaut. Ein Terrassengarten, dem Zeitgeschmack entsprechend und sehr aufwändig angelegt, wurde in die diesjährige Landesgartenschau einbezogen. Deutlich voneinander getrennt sind der Lustgarten mit Blumenbeeten, der Gemüse - und Kräutergarten und der Obstgarten mit alten Obstsorten auf den Terrassen angeordnet. Von oben schaut man auf Schmalkalden herab und erkennt als Rest der ehemaligen Stadtbefestigung den Pulverturm.

Das Wetter hatte gut durchgehalten, erst auf der Rückfahrt nach Lahnau setzte der Regen ein.

 

Text: Dr. Margit Schnorr

(C) Ev. Kirchengemeinde Dorlar und Atzbach 2017
Bild oben rechts: Andrea Kusajda / pixelio.de