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"Ich will fischen gehen"

17. Mai 2012

 

Bericht aus Vanga im KongoNatürlich nicht am See Genezareth fischen. Sondern am Kwilu, dem breiten Strom, an dem Vanga liegt. Mitten ins Leben hinein. Jonathan ist 13. Wir lernten uns vor gut zwei Wochen kennen. Da konnte er kaum noch laufen. Eine riesige Schwellung wölbte die linke Bauchseite hervor. Haut und Knochen, die Augen tief in den Höhlen. Ein Lächeln eine aufgesparte Seltenheit. Der Nachtwächter rief mich am Abend, als Jonathan von weither auf dem Fahrrad gebracht wurde in die für ihn fremde Welt von Vanga.

Aus dem Busch fast nach Europa. Die Ultraschalluntersuchung zeigt eine riesige Krebsgeschwulst im Bauch. Ausmessen, dokumentieren, erste Medikamente ansetzen. Am nächsten Tag wird der Tumor punktiert, seine Zellen mikroskopisch fotografiert. »Burkitt-Lymphom« – wie erwartet. Unvorstellbar, dass das noch behandelbar sein soll.

Mindestens 2 kg Tumor. Wenn der zerfällt (was manchmal schon vor der Behandlung passieren kann), mag das das Ende sein. Samstagmorgen werde ich wieder zu Jonathan gerufen. Er ist im Koma. Zum Glück lässt sich das leicht mit einer Injektion von Zuckerlösung beheben. Zwei Tage später nach Stabilisierung erste Chemotherapie. Wird Jonathan den ersten Tag und die erste Nacht überstehen?

Er schafft es. Inzwischen zwei Wochen und nun deutlich besser und mit einem breiten Lächeln. Gestern wollte Jonathan fischen gehen, im Kwilu. So ganz habe ich ihm das doch noch nicht zugetraut. Er hat noch einen weiten Weg vor sich bis zum Leben, bis an das Ufer mit seinen Fischen. Aber Jonathan lebt. Der Tumor ist fast nicht mehr zu tasten. Und doch sind noch fünf Runden Chemotherapie dran und die Blutwerte alles andere als normal. Ich will fischen gehen. Das hat Jonathan gestern verkündigt. Petrus fing damals 153 Fische. Auf das Wort des Meisters hin, der auch uns gesandt hat. Zu Jonathan und all den vielen hier in Vanga.

Was für ein Vorrecht, hier in seinem Auftrag arbeiten zu können!

(C) Ev. Kirchengemeinde Dorlar und Atzbach 2017
Bild oben links: Andrea Kusajda / pixelio.de