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„Tatort Kirche“ - wurde Realität

1. Juli 2012

 

Einbruch Kirche AtzbachAm Sonntag, den 1. Juli schreckte ich in aller Frühe durch volles Glockengeläut aus dem Schlaf. Es war schon sehr ungewöhnlich, denn es war noch relativ dunkel und ich musste mich erst einmal orientieren. Zunächst dachte ich, dass ich total verschlafen hätte, aber der Blick auf den Wecker und dann noch auf mein handy zeigte 5.25 h. Ich konnte mir das Geläut nicht erklären und wartete einige Minuten, aber es hörte nicht auf. Mein erster Reflex war, das Fenster zu schließen und weiter zu schlafen. Aber mein Mann sagte nur scherzhaft: Frau Kirchmeisterin, ich glaube damit löst du das Problem auch nicht, da musst du mal gucken.

Ich versuchte zunächst, bei unserer Küsterin anzurufen, hörte aber nur den Anrufbeantworter, die Familie war im Urlaub. Dann suchte ich den Kirchenschlüssel und fuhr selbst hin.
Durch den Turm betrat ich die Kirche und suchte die Fernbedienung für das Geläut. Ich konnte sie nirgends finden, weder in der Sakristei noch auf den üblichen Sitzplätzen der Küsterin. Dann fiel mir ein, dass im Turm ein altes Kästchen mit der Aufschrift Läutewerk hängt. Dort stieg ich hoch und legte alle 3 Schalter um, die Glocken läuteten weiter! Nun wurde ich schon sehr stutzig. Im Halbdunkel suchte ich weiter, immer das stark dröhnende Geläut im Kopf. Es musste doch irgendwo einen Schalter geben, um es zu beenden. Ich machte mir Sorgen, was die Anwohner wohl alles für wütende Reaktionen zeigen würden.
Dann fand ich den Sicherungskasten und legte im Halbdunkel ca. 30 Schalter um, doch es läutete weiter. Es musste doch irgendwo eine Hauptsicherung für die ganze Kirche geben, da die Glocken ja über Elektromotoren angetrieben wurden. Oben im Turm befanden sich die Motoren, doch kein Schalter. Endlich fand ich im Turm hinter einer normalen Holztür mehr zufällig noch einen Kasten mit verschiedenen Schaltern. Endlich wurde das Geläut langsamer und verklang. Ich war auch ganz erleichtert und wollte wieder heimfahren. Es war nun 6 Uhr.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich gedacht, ein technischer Defekt wäre für das Geläut verantwortlich gewesen, die Zeitschaltuhr hätte sich verstellt oder durch die heftigen Gewitter der letzten Tage wäre etwas passiert.
Da kam Hedwig Brückmann ganz aufgeregt um die Kirche gelaufen und sagte: Da stimmt doch etwas nicht, die Kirchentür war doch nicht abgeschlossen. Das hatte ich aber nicht bemerkt. Ich wollte eigentlich nur heim und nochmals schlafen. Ich dachte, das hat Zeit bis 8 Uhr, dann wollte ich wieder hinfahren, um den Strom wieder anzuschalten.
Um 7 Uhr wurde ich wieder zur Kirche gerufen. Inzwischen waren zahlreiche wütende Anrufe sowohl bei uns als auch bei der Küsterin von Dorlar eingegangen. Hartmut Jacksteit wurde alarmiert und hat dann auch festgestellt, dass die Kirchentür nach Osten aufgebrochen wurde und die Fernbedienung verschwunden war.

Der Fall wurde auch von hr-fernsehen am 2. Juli 2012 in der Sendung "maintower" aufgegriffen.

(C) Ev. Kirchengemeinde Dorlar und Atzbach 2017
Bild oben links: Andrea Kusajda / pixelio.de