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Bericht aus Vanga am Gründonnerstag 2012

5. April 2012

 

Bericht aus Vanga im KongoEin ganz alltägliches Chaos hier auf der Missionsstation. Die Bude ist voller Patienten, besser gesagt vor der Bude saßen sie alle. Alle erwarten etwas, oft schon reicht ein freundlicher Gruß und ihre Gesichter strahlen auf. Auf der Station haben wir z. Zt. 5 Jungen ca. 10 Jahre alt, die eine Chemotherapie wegen einer bösartigen Erkrankung erhalten, es geht ihnen etwas besser, sodass sie jetzt anfangen, die Gegend unsicher zu machen. Ein Kind ist akut erkrankt mit viel Eiter im Brustkorb und wurde punktiert, um den Eiter abfließen zu lassen und ihm Erleichterung zu verschaffen. Eine Röntgenkontrolle soll Klarheit geben. Doch das Röntgengerät streikt, ein Ersatzgerät ist in irgendwelchen Kisten verpackt, endlich wird die Bedienungsanleitung gefunden, eine komplizierte Angelegenheit. Ich versuche zu verstehen, doch alles nützt nichts, weil der Strom fehlt. Die Kondensatoren sind nicht geladen, ich versuche, per email mit Deutschland Kontakt aufzunehmen. Wieder zurück im Hospital betreue ich weiter das Kind, leider ist die Punktion nicht so erfolgreich und das Kind muss noch in den OP. Bis zum Abend geht es ihm besser.

Kongolesisches Mittagessen aus Reis, Fisch und Grünzeug. Danach warten wieder wie jeden Donnerstag viele Schwangere vor der Ambulanz, um sich ihren Bauch mit Ultraschall untersuchen zu lassen. Einer Frau mit einer 20 Wochen alten abgestorbenen Schwangerschaft konnten wir durch eine Notoperation das Leben retten und den anderen Kindern ihre Mutter zurückgeben. Zwischendurch fällt mal wieder der Strom aus, weil die „Ingenieure“ auch alle Laien sind.


Zwillinge mit 1400 g und 1600 g kamen zur Welt und brauchten dringend Sauerstoff. Zum Glück läuft jetzt gerade der Generator.


Beim Heimgehen wird mir mitgeteilt, dass in der Pharmazie die Batterie für die Stromversorgung des Kühlschranks mit dem Insulin leer ist. Der Elektriker wird gefunden, jedoch der Schraubenzieher ist bei einer anderen Person, jetzt stoße nicht nur ich, sondern auch der Elektriker Schreie aus. Endlich um 20 h lief das Ladegerät. Ich gehe heim und nehme ein Bad im Fass. Dann „fahre ich mich herunter“. Danach feiern wir Brüder zusammen das Abendmahl.


Eine gesegnete Osterzeit wünscht Euch
Friedhelm Förster

(C) Ev. Kirchengemeinde Dorlar und Atzbach 2017
Bild oben links: Andrea Kusajda / pixelio.de