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21. Oktober 2018

 

„Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd fern und nah
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.“

Das Stimmungsbild eines Herbsttages von Friedrich Hebbel könnte so über unserem Ausflug nach Bad Berleburg und Raumland gestanden haben. Auf der Fahrt dorthin erlebten wir eine bunte, herbstliche Landschaft mit bewaldeten Hügeln, dazwischen Grasland und Weiden mit Rindern, Pferden und Schafen.
Zu Gast bei der kleinen reformierten Gemeinde in Raumland nahmen wir am Gottesdienst in der spätromanischen Basilika teil. Mit einigen Liedbeiträgen umrahmte der Kirchenchor Atzbach-Dorlar unter der Leitung von Hans-Martin Schlöndorf die Feier, sehr zur Freude der Gottesdienstbesucher. Die Predigt hielt eine junge Absolventin des Wuppertaler Johanneum über den Text bei Lukas 18, 1 – 8 „Der ungerechte Richter“.
Das Gotteshaus wurde im 13. Jh. auf dem Grund eines Vorgängerbaues errichtet. Bei späteren Umbauten fügte man Emporen ein, und unter einer Farbschicht kamen mittelalterliche Fresken zum Vorschein. Im Umfeld der Kirche standen etliche aus dem heimischen Schiefer gefertigte Grabplatten aus dem 18./19. Jh.
Angeboten wurde uns eine Führung durch ein Schaubergwerk. Der Schiefer des Rothaargebirges war einst in ganz Europa geschätzt. Schiefer entstand vor ca. 380. Mio. Jahren als Sediment. Er wurde in Bergwerken abgebaut. Es war eine mühevolle Arbeit: Im trüben Licht der Grubenlampen mussten die Blöcke in Handarbeit geschlagen und bearbeitet werden, dies bei einer Luftfeuchte von 100 % und 6 – 7° Raumtemperatur. Der Abtransport vollzog sich mit Zugtieren. Erst durch Elektrifizierung der Anlagen zu Anfang des 20. Jh. gab es Erleichterung, doch 1973 wurde der Schieferabbau aufgegeben. In der Region ist Schiefer bis heute als prägendes Bauelement zu finden, nämlich als Dacheindeckung und Fassadenverkleidung.

Gut versorgt beim Mittagessen im Hotel Raumland blieb noch Zeit, sich in Bad Berleburg umzuschauen. Im Schloßcafé der barocken Residenz von 1733 ließen sich die letzten Sonnenstrahlen genießen, bevor die Heimreise angetreten wurde.

PS: das Rothaargebirge ist Quellgebiet von Lahn, Eder und Sieg – haben Sie es gewusst?


von Dr. Margit Schnorr

(C) Ev. Kirchengemeinde Dorlar und Atzbach 2019
Bild oben links: Andrea Kusajda / pixelio.de