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Kifi und der Tod des Lebens

1. April 2012

 

Bericht aus Vanga im KongoMein erster Kontakt zu Kifi ist eine Mail. Nicht von ihm. Über ihn, die Botschaft aus Vanga erreicht mich beim Heimaturlaub in Deutschland. Schwer krank sei der Junge, ein grässlicher Bauchtumor bedrohe ihn. Die Zellen seines Tumors werden fotografiert, um die richtige Diagnose gerungen. Mein Rat an den Kollegen lautet: Behandeln, auch wenn die Sache nicht ganz klar ist.

Dann wird es Neujahr. »Bonne Année«. Überall in Afrika feiert man mit lautem Rufen das Neue Jahr. Malafu (Palmwein) ölt die Sache. Kifis Familie will dabei nicht fehlen, sie liebt das Leben und die Musik. Sie verlässt das (für Kifi) rettende Krankenhaus und geht nach Hause, um zu feiern.

Kifi so sagt man mir, als ich nach Vanga komme, der sei speziell, der habe seine Gitarre dabei gehabt. Aber nun sei er weg.

Was machen? Ein junger Mann macht sich auf den Weg, um Kifi zu suchen. Mit dem Fahrrad dreißig oder vierzig Kilometer in den Busch. Zwei Tage später bringt er Kifi zurück zu uns, gerade noch rechtzeitig. Der Tumor hat keine Pause gemacht. Kifi ist ausgemergelt, fast am Ende. Sein Bauch weit aufgetrieben. Und Kifis Augenlicht nun ausgelöscht durch den Tumor, der die Sehnerven zerstörte.

An eine schnelle Behandlung ist nicht zu denken. Der Tumor drückt auf das Gehirn. Durch eine Vorbehandlung muss erst einmal Entlastung geschafft werden. Um ihm dann (mit Zittern und Zagen) mit starken Medikamenten zu Leibe rücken zu können.

Vier Tage nach Behandlungsbeginn fällt Kifi ins Koma und wir denken, da kommt er nie heraus. Was für eine Freude, als er weitere zwei Tage später aufwacht und mich anspricht: »Tata docteur, ich habe Hunger!« Auf Sardinen natürlich. Das Beste was es in der kongolesischen Vorstellungswelt an Futter gibt.

Wenig später gibt Kifi sein erstes Konzert in Vanga. Auf den Händen getragen durch die Pädiatrie. Nein, sehen wird er wohl nie mehr können. Und doch locken das Leben und seine Musik. Und wir sind dabei, hören seinen Ton des Lebens, sind Zeugen einer kleinen Auferstehung, mit Singen und Tanz.

Ostern für Kifi, für den doch eigentlich alles vorbei schien. Möge es doch Licht werden in seiner Seele. Kifis Musik ist schon jetzt umwerfend – sehen und hören Sie selbst (http://www.youtube.com/watch?v=HEkELT0WJWA).

Br. Friedhelm Förster, Christusträger Bruderschaft

(C) Ev. Kirchengemeinde Dorlar und Atzbach 2017
Bild oben links: Andrea Kusajda / pixelio.de